Gewaltprävention in der Reha GmbH- Das Foto zeigt den Ausschnitt eines beschrifteten Flipcharts, auf dem Punkte zum Präventionskonzept stehen, wie Handlungsfelder, Deeskalationsstrategie und welche Gruppen betroffen sein können. 04 Mrz 2020

BY: Reha GmbH

Aktuelles

Gewaltprävention neuer Leitfaden

Gewaltprävention in der Reha GmbH

Ein Rahmenkonzept mit Leitfaden zur Gewaltprävention hat die Reha GmbH entwickelt und jetzt im Leitungsteam vorgestellt. „ Mit dem Konzept möchten wir die Mitarbeitenden für kritische  Situationen sensibilisieren“, sagt Geschäftsführer Klaus Hahn. „Gleichzeitig wollen wir ihnen aber auch Wissen vermitteln, wie sie auf aggressive Impulse oder in Gewaltsituationen deeskalierend reagieren können.“

Gewalt kann viele Gesichter haben

Gewalt in sozialen Einrichtungen war lange ein Tabuthema. Seit einigen Jahren hat jedoch eine deutliche Sensibilisierung von Öffentlichkeit und Anbietern sozialer Leistungen stattgefunden. Wobei das Thema hochkomplex ist. Denn Gewalt kann viele verschiedene Gesichter haben. Sexuelle Übergriffe gehören ebenso dazu wie Machtmissbrauch oder verbale Gewalt. Zudem können Nutzerinnen und Nutzer genauso von ihr betroffen sein wie Mitarbeitende.

Genau diese Vielfalt der Aspekte werden im Konzept zur Gewaltprävention abgebildet. „Den Ausschlag für unsere interne Präventionsarbeit gaben Aggressionen gegen Mitarbeitende“, berichtet Bärbel Brengelmann-Teepe, die das Konzept entwickelt hat. Die Sozialpädagogin leitet die Tagesstätte „Die Villa“ und ist darüber hinaus QM-Beauftragte. „Die Kollegen baten in diesem Zusammenhang um konkrete Handlungsempfehlungen.“ Bei der Arbeit am Konzept zur Gewaltprävention sei dann schnell deutlich geworden, dass das Thema in seiner gesamten Vielfalt betrachtet werde müsse.

Mitarbeitende für subtile Formen der Gewalt sensibilisieren

In den Medien und damit in der Öffentlichkeit wird oftmals vor allem körperliche oder sexuelle Gewalt wahrgenommen. „Aber leider sind diese Fälle nur die Spitze des Eisbergs“, gibt Klaus Hahn zu bedenken. „Wir müssen auch die psychische oder strukturelle Gewalt im Blick behalten. Innerhalb der meisten sozialen Organisationen bestehen Abhängigkeitsbeziehungen, die durchaus zur Entstehung von Gewalt und Aggressionen beitragen können.“

Die Reha GmbH sei hier zwar gut aufgestellt. So werde die im Leitbild formulierte Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den Klientinnen und Klienten in allen Arbeitsbereichen täglich gelebt. Dennoch sei es sinnvoll, die Mitarbeitenden auch für subtile Formen der Gewalt zu sensibilisieren.

Praktische Handlungsempfehlungen und organisatorische Maßnahmen

Das Konzept zur Gewaltprävention gibt auch ganz praktische Handlungsempfehlungen. Dazu gehört die Krisenintervention durch professionelles Auftreten ebenso wie Talk-Down-Strategien, Atemtechniken oder positive Selbstinstruktion. Zudem gibt es eine Reihe von organisatorischen Schutzmaßnahmen. Zum Teil werden diese schon seit längerem umgesetzt, wie regelmäßige Reflexionen im Umgang mit Klienten und Angehörigen sowie die Identifikation von Risikofaktoren für strukturelle Gewalt. Auch ein Beschwerdemanagement für Nutzer und ihre Angehörigen sowie die Mitarbeitenden ist bereits implementiert.

Nicht zuletzt haben die Mitarbeitenden auch einen Kurs für körperliche Abwehr- und Schutztechniken speziell zugeschnitten für Mitarbeitende sozialer Organisationen absolviert. „Diese dürfen aber nur angewendet werden, wenn die verschiedenen Methoden zur Deeskalation nicht zum Erfolg geführt haben“, betont Bärbel Brengelmann-Teepe.

Verbesserung der Leistungsqualität

Andere Maßnahmen wie die Dokumentation von Vorfällen im Zusammenhang mit Gewalt sowie Regelungen für die Nachsorge würden aktuell eingeführt, so die Sozialpädagogin weiter. In den meisten Fällen sei Gewalt in sozialen Einrichtungen weder geplant noch käme sie wie aus dem Nichts. „Eine Eskalation entsteht meistens aus einer bestimmten Situation oder Konstellation heraus. Wenn wir hier präventiv arbeiten, führt dies auch zu einer besseren Qualität unserer sozialen Dienstleistungen.“

 

Mitarbeitende der Reha GmbH und der Saxion Hochschule stehen beim Saxion-Symposium auf einer Treppe vor der Villa und lachen in die Kamera. Zwei halten ein rotes Dreieck mit Luftballons in der Hand, das für den Trialog steh. 16 Jan 2020

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Aktuelles

Saxion-Symposium bei der Reha GmbH

Saxion-Symposium – Praxis meets Wissenschaft

Großes Gedränge in der Tagesstätte „Die Villa“ der Reha GmbH: Bis zur Eingangstür stehen die rund 60 Teilnehmenden zu Beginn des Symposiums „Take Care“. Veranstalter ist die Saxion University of Applied Sciences in Enschede. Mitarbeitende der Reha GmbH, der Ledder Werkstätten, Klienten und ihre Angehörigen sowie Dozenten und Studierende der niederländischen Hochschule möchten sich hier heute unter fachlicher Anleitung austauschen. „Unsere gemeinsame Veranstaltung ist ein gutes Beispiel für den Wissenstransfer zwischen Praxis und Wissenschaft. Und ich hoffe, dass es Schule macht“, sagt Annette Gleßner, Dozentin der Saxion und Koordinatorin des Symposiums, in ihrer kurzen Begrüßung.

Gelungener Wissenstransfer

Die Reha GmbH arbeitet schon seit mehreren Jahren mit der Hochschule in Enschede zusammen. So gehören Geschäftsführer Herbert Isken und die Sozialarbeiterin Ute Casser zu externen Sachverständigen, die praktische Bachelorprüfungen im deutschen Studiengang „Social Work – Teilzeit“ begleiten. Die Externen bringen praktische Expertise mit. Zudem sollen sie die Transparenz der Prüfungen erhöhen, da sie auch die Prüfer selbst befragen können. Die Reha GmbH profitiert dabei vom fachlichen Austausch mit Studierenden und Wissenschaftlern. „Die Praxisorientierung der Saxion ist etwas Besonderes“, betont Herbert Isken. „Ein Konzept, das sich in der Qualität der Ausbildung zeigt. Viele unserer sozialpsychiatrischen Fachkräfte sind Absolventen der Enscheder Hochschule.“

Auftakt zum Saxion-Symposium: Herbert Isken, Geschäftsführer der Reha, bei seiner Begrüßungsansprache. Er steht neben einem Flipchart. Neben ihm stehen zwei Frauen, im Vordergrund sitzt ein Mann.
Begrüßungsansprache von Geschäftsführer Herbert Isken.

Nach der Begrüßung löst sich das Gedränge in der „Villa“ rasch auf. Die Anwesenden verteilen sich auf vier Räume auch in Nachbargebäuden der Reha GmbH. Hier leiten jeweils drei bis vier Studierende Workshops zu verschiedenen Themen, die gleichzeitig ihre praktischen Bachelorprüfungen sind. Alle vier Themen sind Vorschläge der Reha GmbH:

– Trialog – Austausch auf Augenhöhe – Menschen aktiv im psychiatrischen Kontext beteiligen

– Jeder Mensch ist Experte des eigenen Lebens – Systemische Perspektiven in der Tagessätte und im Ambulant betreuten Wohnen

– (Mit-)Entscheiden oder machen lassen? – Mitwirkung und Mitbestimmung im Rahmen des Betreuten Wohnen

– Institutionelle Schutzkonzepte – Rechte haben, Rechte kennen.

Rollenspiel beim Workshop, eine Frau und ein Mann sitzen in einem Seminarraum einer weiteren Frau gegenüber.
Rollenspiel von Studierenden im Trialog-Workshop

Bachelor-Prüfungen in ganz realer Situation

 „Mit den Themenvorschlägen der Reha GmbH beziehen wir aktuelle Herausforderungen aus der beruflichen Praxis direkt in unsere Prüfungssituation mit ein“, erklärt Annette Gleßner den Nutzen dieser Vorgehensweise. Zudem finden die Prüfungen auf dem Symposium in einer ganz realen Situation statt. Die Studierenden leiten den Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen sowie den Fachkräften an und moderieren ihn auch. Die gesamte Veranstaltung ist damit trialogisch konzipiert. Zudem gibt es noch einen Workshop, der sich explizit mit dem Thema beschäftigt. Aus (sozial-)psychiatrischer Sicht steht der Trialog für eine Beteiligungskultur. Ein wichtiges Ziel ist es, die einseitige Definitionsmacht der psychiatrisch Tätigen in eine demokratische Handlungskultur zu überführen. Der gleichberechtigte Austausch von Betroffenen, Angehörigen und Fachkräften soll das gegenseitige Verstehen verbessern. Dies soll unter anderem einen Perspektivwechsel ermöglichen, Respekt und Akzeptanz untereinander schaffen.

Betroffene wünschen sich mehr Akzeptanz

Aufnahme von einem mit rot beschriebenen Flip-Chart-Blatt. Hier sind Wünsche der Workshop-Teilnehmenden vermerkt, wie mehr Toleranz und Verständnis, mehr Austausch, regelmäßige Termine mit Angehörigen.Doch gerade bei der Akzeptanz hapert es häufig, wie Betroffene im Workshop berichten. Sie wünschen sich mehr Verständnis und einen offeneren Austausch mit ihren Angehörigen. Eine Tagesstätten-Klientin berichtet, wie schwierig es sei, mit seiner Krankheit von der Familie akzeptiert zu werden. Die 36-jährige hatte sich sehr gewünscht, dass ihre Mutter zum Workshop kommt. Leider habe sie abgesagt. Tatsächlich ist nur eine Angehörige dabei. Daniele Stich, Mutter eines erwachsenen psychisch erkrankten Sohnes, findet den  gleichberechtigten Austausch gut und wichtig: „Man lernt, sich gegenseitig besser zu verstehen. Dann kann man als Angehöriger auch mit psychischen Krisensituationen besser umgehen.“

Gleichberechtigtes Miteinander

Deutlich wird auch, wie wichtig die Gleichberechtigung im Miteinander ist. „Andere meinen oft, besser zu wissen, was gut für mich ist“, berichtet eine Klientin. Diese Erfahrung hat auch der 39-jährige Max gemacht. Seine frühere Frau begleitete ihn häufig zur Therapie und lies ihn dann selbst kaum zu Wort kommen. Im Workshop beim Saxion-Symposium wünschen sich die Betroffenen mehr Raum für sich selbst, Toleranz und Verständnis. Auch von der Öffentlichkeit. Eine psychische Erkrankung sei noch immer ein Stigma.

Am Ende des Symposiums in der Villa herrscht Einigkeit: Eine gelungene Veranstaltung, die wiederholt werden sollte. Die Mitorganisatorin von der Reha GmbH Ute Casser betont, wie souverän die Prüflinge ihre Aufgabe gemeistert haben. Ihr fiel vor allem der wertschätzende Umgang mit den unterschiedlichen Workshop-Teilnehmenden positiv auf. „Eine Prüfungssituation in der Praxis ist ja wie ein Sprung ins kalte Wasser. Die Studierenden wissen gar nicht, was auf sie zukommt“, sagt die Sozialarbeiterin. Für Annette Gleßner macht genau diese Herausforderung aber auch die besondere Qualität von Prüfungen in der Praxis aus. „Sie ermöglichen einen Blick über den Tellerrand und sind eine gute Vorbereitung für berufliche Anforderungen.“

„Vom Austausch beim Saxion-Symposium konnten alle profitieren“

Die Prüfer der Saxion haben sich vor allem über die vielen Diskussionsbeiträge der Nutzer gefreut. „Für uns ist das auch eine Bestätigung. Unsere Klientinnen und Klienten sind es gewohnt, sich einzubringen“,  freut sich Tagesstätten-Leiterin Bärbel Brengelmann-Teepe. „Selbstbestimmung und Teilhabe werden bei der Reha GmbH großgeschrieben.“ Gleichzeitig sei die Veranstaltung ein Ansporn, sich zukünftig noch stärker für den Trialog und die Einbeziehung der Angehörigen zu engagieren. Hier sei noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Häufig fühlten sich Familienangehörige mitschuldig an der psychischen Erkrankung eines Angehörigen, so die Sozialpädagogin. Dabei seien sie eine der wichtigsten Ressourcen. Das hätten auch die Diskussionen in den Workshops wieder deutlich gemacht. Die Sozialpädagogin ist sich mit ihrer Kollegin Ute Casser einig: „Von dem heutigen Austausch konnten wir alle profitieren.“

 

Blick über einen Stand beim Inklusionstag, an dem sich Besucher sowie Mitarbeitende und Klientinnen und Klienten der Reha GmbH informieren. 06 Dez 2019

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Reha GmbH beim Inklusionstag

Inklusionstag für Arbeitgeber und Menschen mit Handicap

„Einstellung zählt – Arbeitgeber gewinnen“. Unter diesem Motto hatte die Agentur für Arbeit am 5. Dezember zum Inklusionstag in Rheine geladen. Die Angebote richteten sich sowohl an Arbeitgeber als auch an Menschen mit Handicap. Die Reha GmbH war gleich mit drei verschiedenen Angebotsbausteinen dabei.

Eine Mitarbeiterin der Psycho-Edukations-Gruppe sowie eine Klientin stehen an einem Stand und informieren sich.Eine sinnstiftende Beschäftigung ist wichtig für die seelische Gesundheit. Das gilt ganz besonders für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Doch gerade für sie ist die Teilhabe am Berufsleben schwierig. Die vielen Aspekten der beruflichen Rehabilitation sind deshalb ein Arbeitsschwerpunkt der Reha GmbH. Am Gemeinsamen Inklusionstag der Agentur für Arbeit in Rheine nahmen Mitarbeitende und Klienten vom Ambulant Betreuten Wohnen und der Tagesstätte „Die Villa“ teil sowie die ergotherapeutische Praxis.

Hilfe zur Selbsthilfe

Von der Villa waren knapp zehn Klientinnen und Klienten mit nach Rheine gefahren. Aus der Psycho-Edukations-Gruppe von Ute Casser und Susan Thyssen waren sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei. „Sie alle konnten sich einen guten Überblick verschaffen über ihre Möglichkeiten auf dem ersten und zweiten Arbeitsmarkt“, berichtet Ute Casser. Die Angebote im Kreis Steinfurt seien sehr gut, doch selbst für Experten auch unübersichtlich. „In Rheine waren neben Inklusionsunternehmen auch die verschiedenen Ämter und Fachdienste mit eigenen Informationsständen vertreten. So hatten unsere Klientinnen und Klienten die Möglichkeit, ihre Ansprechpartner in Lengerich und Ibbenbüren gleich persönlich kennenlernen.“ Der direkte Kontakt helfe, Hemmschwellen abzubauen, betont die Sozialpädagogin. „Bereits der gemeinsame Besuch des Inklusionstages ist Hilfe zur Selbsthilfe.“

Reha-Angebot der Ergotherapie

Blick auf den Stand der ergotherapeutischen Praxis beim Inklusionstag, an dem drei Frauen stehen und sich unterhaltend über Informationsmaterialien beugen.Auch Milena Onken von der Ergotherapeutischen Praxis der Reha GmbH war mit einem eigenen Stand auf dem Inklusionstag vertreten. Die Angebote der Praxis zur beruflichen Rehabilitation reichen von der Arbeitsdiagnostik nach MELBA bis zur ZERA-Gruppe. MELBA steht für „Merkmalprofile zur Eingliederung Leistungsgewandelter und Behinderter in Arbeit“. Grundlage dieser Profile sind standardisierte Testaufgaben, freie Beobachtungen aus verschiedenen Arbeitssituationen sowie Gespräche und Aussagen Dritter. Fallen einzelne Fähigkeiten im Profil schwächer aus, können sie in Arbeitstrainings für Einzelpersonen oder Kleingruppen gezielt gestärkt werden.

„Berufliche Integration bleibt Herausforderung“

ZERA beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Erkrankung, Rehabilitation und Arbeit. Es ist ein strukturiertes Gruppenprogramm, das unter anderem die Selbsthilfe-Potenziale der Klientinnen und Klienten aktiviert. In diesem Sommer hatte die Ergotherapie der Reha GmbH ihr erstes ambulantes ZERA-Programm abgeschlossen. Wegen des guten Erfolges sind weitere Gruppen geplant.

Sowohl Milena Onken als auch Ute Casser lobten die guten Möglichkeiten zum Austausch mit Rehabilitationsexperten beim Inklusionstag. Doch beide hätten sich ein größeres Interesse von den Arbeitgebern gewünscht: „Die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen bleibt weiter eine große Herausforderung.“

Gruppenaufnahme von Klientinnen und Klienten sowie Mitarbeitenden der Tagesstätte die Villa beim Inklusionstag in Rheine.

Im Vordergrund stehen der Psychiatriekoordinator sowie die beiden Geschäftsführer der Reha GmbH, im Hintergrund sind der Besprechungsraum sowie einige der leitenden Mitarbeiter zu sehen. 16 Nov 2018

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Aktuelles / Blog

Psychiatriekoordinator zu Gast

Angebote im Altkreis kennenlernen

Über die Arbeit der Reha GmbH informierte sich in dieser Woche der Psychiatrie- und Suchtkoordinator des Kreises Steinfurt Frank Winter. Gemeinsam mit den Leitern der verschiedenen Angebotsbausteine vermittelten die beiden Geschäftsführer Klaus Hahn und Herbert Isken dem Gast ein detailliertes Bild der Einrichtung mit knapp 100 Mitarbeitern. Zudem diskutierte die Gesprächsrunde über aktuelle Herausforderungen der sozialpsychiatrischen Arbeit.

Frank Winter, der auch Leiter der Sozialen Dienstes des Kreises Steinfurt ist, hat die Psychiatriekoordination im Kreisgebiet Anfang dieses Jahres übernommen. Der Sozialpädagoge besitzt selbst jahrelange Erfahrungen in der Arbeit mit psychischen erkrankten Menschen. Da er hier vor allem im westlichen Kreis Steinfurt aktiv war, möchte er nun die Hilfsangebote im Altkreis Tecklenburg näher kennenlernen. Von der breiten Angebotspalette der Reha GmbH zeigte sich Frank Winter beeindruckt.

Mehr Angehörigenarbeit auch im stationären Bereich

Bei der Vorstellung der einzelnen Hilfsangebote wurde immer wieder deutlich, wie sich die Anforderungen seit den Anfängen der Reha GmbH in den frühen 1980er Jahre geändert haben. Waren beispielsweise die ersten Bewohner der drei Wohnstätten für Behinderte noch ausnahmslos ehemalige Klinikpatienten, kommen Neuzugänge heute meistens aus ihren Familien. „Leider häufig zu spät“, wie Antje Simkes, Leiterin der Wohnstätte Rahestraße anmerkte. „Viele Eltern kümmern sich so lange um ihre behinderten Kinder bis sie selbst erkranken oder versterben.“ Zu dem erforderlichen Umzug in eine stationäre Einrichtung käme dann noch der schwere Verlust. Besser sei es, den Auszug der erwachsenen Kinder in eine Wohngruppe rechtzeitig vorzubereiten und durch die Familie zu begleiten. In jedem Fall sei heute mehr Angehörigenarbeit zu leisten, ergänzte Ralf Kunkemöller.

Neue Herausforderungen durch junge Klienten

In der ambulanten sozialpsychiatrischen Arbeit ergeben sich insbesondere durch junge Menschen mit psychischen Erkrankungen vielfältige neue Herausforderungen. Die Reha GmbH hat darauf mit unterschiedlichen Maßnahmen reagiert. So hat die Tagesstätte „Die Villa“ spezielle Angebote für Klienten unter 30 Jahren entwickelt, die beispielsweise auch bei ihrer Lebensplanung andere Unterstützung benötigen als ältere Menschen. Auch die Mitarbeiter im Ambulant Betreuten Wohnen begleiten junge Klienten immer häufiger bei der Erreichung von Schul- oder Ausbildungsabschluss. Hier sei eine stärkere pädagogische Unterstützung sowie eine andere Methodik erforderlich, betonte Herbert Isken. Er wies auch darauf hin, dass die Reha GmbH schon seit Jahren mit der Evangelischen Jugendhilfe kooperiere und diese Zusammenarbeit zukünftig weiter intensivieren wolle.

Versorgungslücken erkennen und rechtzeitig schließen

Derzeit entwickelt die Reha GmbH darüber hinaus ein neues Projekt für die intensive Begleitung junger psychisch kranker Menschen im Bereich des Ambulant Betreuten Wohnens, wie Klaus Hahn ergänzte. Dieses Projekt setzt an der Schnittstelle zwischen Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie sowie der Jugendhilfe an. In ihrem über 30-jährigen Bestehen war die Reha GmbH stets bemüht, Versorgungslücken zu erkennen und durch passgenaue Angebote zu schließen. Dies ist auch Frank Winter ein wichtiges Anliegen: „Ich sehe es auch als meine Aufgabe als Psychiatriekoordinator, die Einrichtungen im Kreis zu unterstützen, wenn sie mit neuen oder modifizierten Angeboten Versorgungslücken schließen möchten.“

Enge Zusammenarbeit vereinbart

Zudem versteht sich Frank Winter als Moderator zwischen den einzelnen Einrichtungen und den Kostenträgern. Bei auftretenden Problemen oder Fragen stehe er sehr gerne zur Verfügung, betonte der Psychiatriekoordinator. Bei dem abschließenden Gespräch mit der Geschäftsführung sprachen sich Klaus Hahn und Frank Winter erneut für eine enge Zusammenarbeit aus. „Die Koordination und Kooperation der verschiedenen Einrichtungen und Akteure auf lokaler und regionaler Ebene ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche sozialpsychiatrische Arbeit“, betonte Klaus Hahn.