Einzug in die Trainings-WG U30: Das Foto zeigt einen Hauseingang mit zwei Umzugskartons, einem Rucksack und anderen Utensilien. 11 Okt 2019

BY: Reha GmbH

Aktuelles

Neue Trainings-WG U30

Trainings-WG U30: Reha GmbH schließt Versorgungslücke im Bereich ABW

Immer mehr junge Menschen befinden sich in psychiatrischer Behandlung. Das wirkt sich auch auf die Arbeit der Reha GmbH aus. Menschen mit psychischen Erkrankungen unter 30 Jahren stehen in der Regel vor komplexen Herausforderungen. Und sie haben häufig einen hohen sozialpsychiatrischen Unterstützungsbedarf. Schon seit einigen Jahren reagiert die Reha GmbH darauf mit modifizierten Konzepten und speziellen Angeboten eigens für diese Zielgruppe, z.B. in der Tagesstätte. Jetzt hat sie in Lengerich eine Trainings-WG U30 im Ambulant Betreuten Wohnen (ABW) eingerichtet.

Schritt in die Eigenständigkeit oft überfordernd

„Wir möchten mit der Wohngemeinschaft eine Versorgungslücke schließen an der Schnittstelle zwischen Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie sowie der Jugendhilfe“, erklärt Philipp Hartmann, der das Projekt mitkonzipiert hat und es nun koordiniert. Die Zeit des Erwachsenwerdens sei für sehr viele junge Frauen und Männer schwierig. Plötzlich müssten sie Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen. „Aber für junge Menschen mit psychischen Erkrankungen ist der Sprung aus der Familie oder Jugendhilfeeinrichtung in die Eigenständigkeit oft überfordernd“, sagt Philipp Hartmann. Das Risiko für seelische Krisen oder soziale Isolation sei dann besonders hoch.

Intensive und individuelle Betreuung

Deshalb vollzieht sich in der Trainings-WG U30 der Übergang nun schrittweise und weniger abrupt. Dafür sorgt die intensive und individuelle Betreuung durch das Mitarbeitenden-Team. Die maximal vier Bewohnerinnen und Bewohner haben Anspruch auf mindestens sechs Fachleistungsstunden pro Woche. Jetzt, in der Eingewöhnungsphase, trainiert das Team mit den jungen Klientinnen und Klienten vor allem lebenspraktische Fertigkeiten. So ist zum Beispiel das pünktliche Aufstehen ein wichtiges Thema. Der 21-jährigen Jennifer* bereitet das jeden Morgen echte Probleme.

Bei Adrian* war das bis vor kurzem genauso. Während eines mehrwöchigen Berufspraktikums musste er regelmäßig geweckt werden. Doch plötzlich kriegte der 27-Jährige die Kurve. Das lag sicherlich auch daran, dass Adrian seine Arbeit zunehmend Spaß machte. Der junge Mann hatte Informatik studiert als er erkrankte und sein Studium daraufhin abbrechen musste. Auch ohne Abschluss konnte er im Praktikumsbetrieb seine Kenntnisse so gut einsetzen, dass ihm die Firma nun eine feste Stelle angeboten hat.

Auch Streiten will gelernt sein

„Das ist ein toller Erfolg“, freut sich Mareike Schweiger, die zum Mitarbeitenden-Team gehört. Der Ergotherapeutin gefällt die Arbeit in der Trainings-WG U30 ebenso wie ihren Kollegen richtig gut. „Es passiert sehr viel. Die Jahre zwischen 20 und 30 sind eben von vielen Veränderungen und Entwicklungen geprägt.“ Aber natürlich gebe es manchmal auch Reibereien, wie in jeder Wohngemeinschaft oder Familie. Bewohnerin Malina* kann das nur bestätigen: „Eigentlich verstehen wir uns ja gut. Aber wegen der Hausarbeit streiten wir uns regelmäßig.“ Und nicht nur die Hausarbeit, auch das Streiten will gelernt sein. Die Verbesserung der Konfliktfähigkeit gehört deshalb ebenso zu den Trainings-Zielen wie die Förderung von Handlungskompetenz, Entscheidungsfähigkeit und Eigenverantwortung.

Selbstbestimmt mit seelischer Erkrankung leben

Die 19-jährige Malina hatte vor ihrem Einzug in die U30-WG bereits alleine gelebt ohne jegliche sozialpsychiatrische Unterstützung. In der Wohngemeinschaft gefällt es ihr besser: „Es ist schon manchmal anstrengend mit den anderen. Aber als ich alleine wohnte, habe ich mich oft verkrochen.“ Und genau das möchte das neue Angebot der Reha GmbH verhindern. Durch die intensive Begleitung sollen die jungen Menschen befähigt werden, selbstbestimmt und eigenständig mit ihrer seelischen Erkrankung innerhalb der Gesellschaft zu leben. Ob diese Ziele erreicht werden können, soll nach einer zweijährigen Laufzeit des neuen Angebotes evaluiert werden. Zudem wird die Traings-WG U30 innerhalb des Qualitätsmanagements der Reha GmbH von einer weiteren Mitarbeiterin gecoacht.

 

*Alle Namen der Klientinnen und Klienten wurden geändert.

Aussenaufnahme des Büro ABW Ibbenbüren am Alten Posthof. Die Eingangstür steht offen und rechts daneben ist ein Firmenschild angebracht. 03 Sep 2019

BY: Reha GmbH

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Guter Start für Büro ABW Ibbenbüren

Seit Anfang dieses Jahres ist die sozialpsychiatrische Versorgung in Ibbenbüren und Umgebung um ein Angebot reicher. Die Reha GmbH hatte im Januar das Büro „Alter Posthof“ für Ambulant Betreutes Wohnen (ABW) eröffnet. Die erste Zwischenbilanz nach einem guten halben Jahr fällt ausgesprochen erfreulich aus.

Blick in Büro ABW Ibbenbüren. An einem Schreibtisch sitzen sich zwei Mitarbeiterinnen gegenüber, eine dritte steht am Tisch.„Unser neuer Standort wird sowohl von den Klientinnen und Klienten als auch innerhalb der psychosozialen Versorgungslandschaft in Ibbenbüren sehr positiv aufgenommen“, sagt Klaus Hahn, Geschäftsführer der Reha GmbH. „Das vergangene halbe Jahr hat zudem gezeigt, dass wir nicht nur unsere Erreichbarkeit für die Menschen in der Region deutlich verbessert haben. Mit unserer Präsenz vor Ort können wir unsere Klientinnen und Klienten auch noch gezielter unterstützen.“

Raum für Gespräche und Gruppenarbeit

Warum das so ist, erläutert Ute Casser. Die Sozialarbeiterin koordiniert die Arbeit im Büro ABW Ibbenbüren. Bereits vor der Eröffnung des neuen Standorts hatte sie Menschen mit psychischen und Suchterkrankungen im Raum Ibbenbüren begleitet. „Unsere Klienten schätzen, dass wir uns nun auch zu Gesprächen im geschützten Raum unseres Büros treffen können“, nennt Ute Casser einen Vorteil. Zudem böte das Büro „Alter Posthof“ ganz neue Möglichkeiten für die Gruppenarbeit. So treffen sich hier regelmäßig rund zehn Frauen und Männer zum gemeinsamen Frühstück. Und ein Klient hat die Gründung einer Spielegruppe angeregt, die 14-tägig in den neuen Räumen zusammenkommt.

Zentrale Lage

„Die Ibbenbürener freuen sich außerdem über unsere zentrale Lage“, berichtet Ute Casser weiter. „Für sie ist der Alte Posthof bequem zu Fuß zu erreichen.“ Allerdings betrifft dies nur einen Teil der Nutzerinnen und Nutzer. Denn die Klienten kommen aus dem gesamten Großraum Ibbenbüren, unter anderem aus Westerkappeln, Lotte oder Mettingen. Insgesamt begleiten in Ibbenbüren aktuell drei Fach- und zwei Assistenzkräfte der Reha GmbH Nutzer im Alter zwischen 25 und 65 Jahren mit ganz unterschiedlichem Unterstützungsbedarf.

Gemeinsam Zukunftsperspektiven entwickeln

Blick in Büro ABW Ibbenbüren: Eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter sitzen im Gespräch mit Klientin auf einem Sofa.Bei den jüngeren Menschen steht die Entwicklung von beruflichen Perspektiven und Beschäftigungsmöglichkeiten im Vordergrund. „Dabei arbeiten wir eng mit anderen Akteuren wie dem Integrationsfachdienst oder der Arbeitsagentur zusammen“, erläutert Ute Casser. Und da sei der direkte Kontakt vor Ort sehr hilfreich. „So schauen wir von der Reha GmbH zunächst gemeinsam mit den Klienten, welches Setting für den einzelnen am besten geeignet ist. Ob zum Bespiel eine Beschäftigung in einer Werkstatt für Behinderte eher in Frage kommt oder eine Tätigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt.“ Danach begleiten die Reha-Mitarbeitenden gemeinsam mit den jeweils zuständigen Einrichtungen die weitere Entwicklung.

Und das hat im Büro ABW Ibbenbüren schon mehrfach ausgezeichnet geklappt. Unlängst hat ein 30-jähriger Klient eine Arbeit in einem Logistikunternehmen aufgenommen. Und ein 25-Jähriger startete seine geförderte berufliche Ausbildung. „Mit unserer sozialpsychiatrischen Arbeit möchten wir gemeinsam mit anderen Anbietern und Einrichtungen ein tragfähiges ambulantes Netzwerk vor Ort bieten“, betont Klaus Hahn. „Und dafür ist das Büro Alter Posthof ein weiterer wichtiger Baustein.“

Die beiden Geschäftsführer der Reha GmbH sowie fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen vor dem Büro Alter Post Ambulant Betreutes Wohnen in Ibbenbüren und lächeln in die Kamera. 18 Jan 2019

BY: Reha GmbH

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ABW „Büro Alter Posthof“ eröffnet

Einweihungsfeier in Ibbenbüren

In Ibbenbüren gibt es ein neues Angebot für Menschen mit psychischen und Suchterkrankungen: Am alten Posthof 26 hat die Reha GmbH für Sozialpsychiatrie ein Büro für das „Ambulant Betreute Wohnen“ (ABW) eröffnet. 

Jetzt fand die offizielle Eröffnung mit einer kleinen Einweihungsfeier statt. Das ABW-Team „Büro Alter Posthof“ hatte Kooperationspartner, Mitarbeiter von anderen Versorgungsbausteinen in der Region, gesetzliche Betreuer, Klienten und Kollegen zur Eröffnung eingeladen. Und viele waren der Einladung gefolgt. Sie nutzten die Feier, um sich vor Ort über das neue Angebot in Ibbenbüren zu informieren. 

Schon die vom ABW-Team liebevoll eingerichteten Räumlichkeiten stießen auf viel Zustimmung: „Es ist sehr schön geworden. Das habt ihr wirklich toll gemacht“, lobte Herbert Isken, Geschäftsführer der Reha GmbH. Ute Casser vom ABW-Team Ibbenbüren, zu dem noch Emmely Bruns, Gabriel Rosenberg, Birgt Stisser, und Susan Thyssen gehören, bedankte sich für die tatkräftige Unterstützung der Kollegen bei der Eröffnung des neuen Angebots.

Umfassende Versorgungsstruktur im Altkreis Tecklenburg

Fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in Ibbenbüren Betroffene ergänzend zur psychiatrischen oder psychotherapeutischen Behandlung bei der selbständigen Lebensführung in der eigenen Wohnung begleiten. Dazu gehört der eigenverantwortliche Umgang mit der Erkrankung ebenso wie Arbeit und Beschäftigung, soziale Kontakte und gesellschaftliche Teilhabe. In Lengerich begleitet die Reha GmbH rund 160 psychisch erkrankte Menschen im Ambulant Betreuten Wohnen. Dass sie nun auch in Ibbenbüren vor Ort präsent ist, hat einen guten Grund. 

 „In enger Kooperation mit unserer Muttergesellschaft, den Ledder Werkstätten, möchten wir im Altkreis Tecklenburg eine umfassende Versorgungsstruktur vorhalten mit jeweils eigenen Angeboten für Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen“, erläuterte Klaus Hahn. Entsprechend ihrer Expertise in der sozialpsychiatrischen Arbeit konzentriere sich die Reha GmbH dabei auf Menschen mit psychischen Erkrankungen. Auch der Geschäftsführer der Ledder Werkstätten Ralf Hagemeier betonte in seiner kurzen Ansprache die Notwendigkeit, unterschiedliche Versorgungsbausteine für Menschen mit geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen anzubieten. „Dies gilt ebenso im Bereich der Werkstattarbeit, bei der wir zukünftig noch stärker differenzieren möchten.“

Angebote stärker differenzieren

Ralf Hagemeier hob die gute Zusammenarbeit zwischen den Ledder Werkstätten und der Reha GmbH beim ABW in Lengerich hervor. Diese soll nun in Ibbenbüren fortgesetzt werden. Große Bedarfe für das neue Angebot sieht Susan Thyssen vom „Büro Alter Posthof“. „Im Moment haben wir vor allem eine starke Nachfrage bei jungen psychisch erkrankten Menschen, die wir intensiv dabei begleiten, ihr Leben selbständig in die Hand zu nehmen und auch eine berufliche Perspektive zu entwickeln.“ Um den Betroffenen bestmögliche Unterstützung bieten zu können, sei es wichtig mit allen Versorgungsbausteinen und Einrichtungen in der Region Hand in Hand zu arbeiten.

Stationäre Aufenthalte verkürzen

Die ständige Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit ist denn auch ein wichtiges Anliegen der Reha GmbH. Deshalb hat die Einrichtung auch die Gründung des Gemeindepsychiatrischen Verbunds (GPV) im Kreis Steinfurt mitinitiiert hat. „Ein tragfähiges ambulantes Netzwerk vor Ort kann stationäre Aufenthalte verkürzen oder verhindern“, betonte Klaus Hahn. „Das neue Büro in Ibbenbüren ist für uns ein weiterer Schritt, um die regionale Zusammenarbeit zu fördern.“