Seelisch stabiler im Zuverdienst fühlt sich auch der Klient Marc, der auf dem Foto mit einem Tablett neben dem Leiter der Kontakt- und Beratungsstelle an einem Cafétisch steht und freundlich in die Kamera lächelt. 25 Feb 2020

BY: Reha GmbH

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Niedrigschwelliges Angebot mit großer Wirkung

Seelisch stabiler im Zuverdienst: Mit einer psychischen Erkrankung regelmäßig zu arbeiten, ist häufig schwierig. Die Reha GmbH bietet deshalb Menschen mit seelischen Störungen im Zuverdienst „Arbeit nach Maß“. Hier können Betroffene allmählich wieder ins Arbeitsleben einsteigen. Oder sie arbeiten langfristig nur wenige Wochenstunden. Dabei können die Mitarbeitenden ihre Beschäftigung flexibel an ihre aktuelle Belastungsgrenze anpassen. Ein niedrigschwelliges Angebot mit großer Wirkung: „Für Menschen mit psychischen Erkrankungen ist Beschäftigungslosigkeit besonders problematisch“, sagt Geschäftsführer Klaus Hahn. „Seelische Störungen führen auch im privaten Umfeld häufig zu sozialer Isolation. Diese wird durch Beschäftigungslosigkeit verstärkt.“ Einsamkeit wirkt sich wiederum negativ auf die seelische Gesundheit aus.

Genauso ist es Heike Förster ergangen. Die 41-Jährige erkrankte erstmals im Alter von 13 Jahren psychisch. Nach mehreren längeren Klinikaufenthalten konnte sie als junge Erwachsene zwar in ihrer eigenen Wohnung leben. Sie war aber sozial isoliert. „Ich saß Zuhause und mir fiel die Decke auf den Kopf.“ Unterstützung erhielt sie durch das Ambulant Betreute Wohnen der Reha GmbH. „Meine Betreuer ermutigten mich damals immer wieder, im Zuverdienst zu arbeiten.“ Doch die junge Frau hatte zunächst Bedenken: „Ich war sehr krank und vor allem auch ganz, ganz schüchtern. Ich habe kaum ein Wort herausgebracht.“ Wer Heike Förster heute sieht, kann sich das kaum vorstellen – so offen und reflektiert, wie sie über ihr Leben und ihre Krankengeschichte berichtet. Bis dahin war es aber ein langer Weg.

Vom 1,5-Stunden-Job zur regelmäßigen Beschäftigung

Eine Frau steht hinter einer Theke und lässt einen Käsekuchen vom Abkühlrost auf eine Platte gleiten und lächelt dabei freundlich in die Kamera.Die junge Frau stimmte schließlich einer Beschäftigung zu und startete mit nur 1,5 Stunden in der Kontakt- und Beratungsstelle Café Regenbogen. „Anfangs konnte ich selbst diese kurze Zeit nicht durchhalten.“ Doch ganz allmählich übernahm sie immer mehr Aufgaben und steigerte die Arbeitszeit. Mittlerweile hat Heike Förster eine reguläre 450-Euro-Stelle als Hauswirtschafterin im Café Regenbogen. „Das entspricht einer geringfügigen Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt“, sagt Jörg Achterberg, Leiter der Kontakt- und Beratungsstelle. „Heike managt den hauswirtschaftlichen Bereich und nimmt mir darüber hinaus noch so manche Aufgabe ab. Sie ist wirklich eine tolle Mitarbeiterin.“

Große Nachfrage

Seit Start des Hilfsangebots vor 20 Jahren arbeiten durchschnittlich zwischen 20 und 40 Frauen und Männer im Zuverdienst der Reha GmbH. Die Aufgaben reichen von Montagetätigkeiten über Hausmeisterservice bis zu hauswirtschaftlichen Dienstleistungen und Catering. Und die Nachfrage ist groß: „Die Erwerbsminderungen wegen seelischer Störungen sind stark angestiegen. Und wir betreuen immer mehr junge psychisch erkrankte Menschen im Übergang zwischen Schule und Beruf“, sagt Klaus Hahn.  Im Café Regenbogen an der Bahnhofstraße sind aktuell sieben „Zuverdienstler“ beschäftigt mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen. „Bei uns arbeiten chronisch Erkrankte mit früheren langen Klinikaufenthalten ebenso wie Menschen, die durch ihre Erkrankung ganz plötzlich aus dem Berufsleben herausgerissen wurden“, berichtet Jörg Achterberg. Und nicht zuletzt gebe es eine zunehmende Zahl junger Menschen, die noch vor dem Sprung ins Berufsleben stehe.

Selbständiger und seelisch stabiler im Zuverdienst

Junger Mann schaut fröhlich lächelt durch eine Durchreiche und schiebt gibt deine blaue Thermoskanne heraus.Zu ihnen gehört auch Marc Kramer*, der mehrmals wöchentlich im Café bedient. Der heute 24-Jährige musste wegen seiner Angststörung die Schule verlassen. „Danach hatte ich extreme Rückzugstendenzen.“ Der Schüler verbrachte viele Tage einfach im Bett. Aus dem Haus wagte er sich kaum noch. Sozialpsychiatrische Unterstützung erhielt der Lengericher damals noch nicht. Doch seine Ergotherapeutin vermittelte ihn dann in den Zuverdienst. Die Aufnahme ist ganz einfach ohne Verordnung oder Kostenbewilligung möglich. Denn der Kreis Steinfurt fördert das Angebot auf freiwilliger Basis. Über diesen unbürokratischen Einstieg kam Marc Kramer zu weiteren tagesstrukturierende Hilfsangeboten. „Mittlerweile kann ich mir wieder vorstellen, eine Ausbildung zu machen. Mir geht es gesundheitlich ganz klar besser und ich bin selbständiger geworden.“

Und das ist ein ganz wichtiger Aspekt am Zuverdienst: Ob er nun eine Vorbereitung für den ersten Arbeitsmarkt, einen Werkstattarbeitsplatz oder dauerhafte Beschäftigung ist, in den meisten Fällen profitieren die Betroffenen gesundheitlich. Das hat auch Heike Förster erlebt. Sie fühlt sich heute psychisch stabiler und benötigt deutlich weniger Medikamente als früher. Und sie ist überzeugt: „Die regelmäßige Beschäftigung hat einen sehr großen Anteil daran.“

* Der Name des Klienten wurde geändert.