Zwei Therpeutinnen stehen vor einem Fenster und halten eine bunte Patchworkdecke für die Ergotherapie bei Demenz in die Kamerakdecke 18 Sep 2017

BY: Reha GmbH

Aktuelles

Ergotherapie bei Demenz

Eine Decke voller Erinnerungen

Ein Reißverschluss, eine kleine Tasche, ein Hemdsärmel und ein Knopf – die neuen Patchwork-Decken des Unikats sind kunterbunt und mit vielen Details ausgestattet. Was wie ein besonders ausgefallenes Accessoire aussieht, hat einen therapeutischen Hintergrund: Die sogenannten Nesteldecken sind ein effektives Mittel zur ergänzenden Therapie von Demenzkranken. In sein Sortiment aufgenommen hat das Unikat die Decken in Zusammenarbeit mit der Praxis für Ergotherapie.

Fachgebiet mit wachsender Bedeutung

„In den Demenzdecken werden Stoffe, Farben und Muster oder auch kleine Gegenstände verarbeitet, wie sie die Betroffenen von früher kennen“, erläutert Ergotherapeutin Bettina Bußmann das Konzept. „Das Befühlen der verschiedenen Materialien und Gespräche darüber können Erinnerungen anstoßen.“ Zudem würden viele an Demenz erkrankte Menschen ab einem bestimmten Stadium beginnen, mit ihren Händen an Gegenständen oder ihrer Kleidung zu nesteln. „Die Decke füllt diese sinnentleerte Handlung mit gezielten taktilen Anreizen, die auch die eigene Körperwahrnehmung verbessern können.“

Spezielle Angebote des Reha-Vereins

Seit 2015 unterstützt Bettina Bußmann das Team der Ergotherapie. Davor war die 54-Jährige 20 Jahre lang als Ergotherapeutin in Altenheimen tätig. Im vergangenen Jahr hat sie zudem eine 3-teilige Fortbildung für Ergotherapie bei Demenz gemacht – ein Fachgebiet mit wachsender Bedeutung. Auch in Lengerich sei aufgrund der älter werdenden Gesellschaft der Bedarf nach Hilfsangeboten spürbar gestiegen, so Vorstandsvorsitzender Klaus Hahn. Dieser Entwicklung, die in den nächsten Jahren noch zunehmen werde, wolle der Reha-Verein mit seinen speziellen Angeboten in der Praxis für Ergotherapie Rechnung tragen.

Angehörige in Therapie einbeziehen

Foto zeigt in Aufsicht eine bunt Nesteldecke für die Ergotherapie bei Demenz an der insgesamt sechs verschiedene Hände nesteln.Zwar lässt sich Demenz nicht heilen, doch ihr Fortschreiten hinauszögern. Ziel der Ergotherapie ist es dabei, die Selbständigkeit möglichst lange zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern. Bettina Bußmann therapiert nicht nur in den Räumlichkeiten an der Münsterstraße. Sie besucht ihre Klientinnen und Klienten auch in Altenheimen und immer häufiger auch zuhause. Da die Demenz auch die Angehörigen der Betroffenen in hohem Maße herausfordere, sei die Therapie in den eigenen vier Wänden für alle Beteiligten ein Gewinn. „Hier können wir direkt vor Ort die erkrankten Menschen in ihrer Lebensführung unterstützen und gleichzeitig die Angehörigen mit ihren Bedürfnissen einbeziehen.“ Dabei arbeitet Bettina Bußmann nach dem betätigungsorientierten Interventionsprogramm „Häusliche Ergotherapie bei Demenz“. Das Programm, kurz HED-I, wirde auf Basis amerikanischer und niederländischer Studien entwickelt.

Möglichst lange selbstständig leben

Die Fortbildungsangebote nach HED-I sind noch recht neu. Es ist für uns ein echter Gewinn, dass Bettina Bußmann diesen innovativen Ansatz in unsere Praxis gebracht hat“, freut sich Milena Onken, Leiterin der Ergotherapie. „Für Menschen mit Demenz ist es besonders wichtig, möglichst lange in ihrem vertrauten Umfeld zu bleiben. Veränderungen der Lebensbedingungen führen nachweislich zu einer Verschlechterung der Symptome.“ Die Nesteldecken sind nur ein Bestandteil innerhalb der vielen unterschiedlichen Möglichkeiten der Ergotherapie bei Demenz, der jedoch besonders gut von den Angehörigen eingesetzt werden kann. Sie wissen oftmals am besten, welche Erinnerungen und Gefühle die Erkrankten mit bestimmten Gegenständen oder Stoffen verbinden. Deshalb ist es auch möglich, im Unikat eine ganz individuelle Decke mit eigenen Materialien anfertigen zu lassen – ein Stück persönliche Zeitgeschichte festgehalten in Stoff.