Abstand halten während der Corona-Krise: Das Foto zeigt einen Klienten und einen Betreuer an einem Tisch im Garten der Reha GmbH mit viel räumlichem Abstand beim Gespräch. 19 Jun 2020

BY: Reha GmbH

Aktuelles

Corona-Krise gut gemeistert

Corona-Krise: Fast alle Klienten im ABW haben schwere Anfangszeit gut gemeistert

Abstand halten, Zutrittsverbote, persönliche Kontakte möglichst vermeiden. Die ersten Wochen und Monate der Corona-Pandemie waren für viele Menschen eine große seelische Belastung. Nicht nur bei der Reha GmbH war deshalb die Sorge groß, die soziale Isolation könnte bei Menschen mit psychischen Vorerkrankungen verstärkt Krisen auslösen. „Zum Glück hat sich diese Befürchtung bei uns nicht bestätigt“, zieht Verena Strauß vom Team des Ambulant Betreuten Wohnens eine erste Bilanz. „Fast alle von uns begleiteten Menschen haben die Corona-Krise gut gemeistert.“

Dabei waren gerade die ersten ein bis zwei Wochen besonders schwer: „Es war wie eine Schockstarre. Die meisten Klientinnen und Klienten waren sehr verunsichert und wollten lieber zuhause bleiben.“ Persönliche Unterstützung durch das ABW-Team mochten viele aus Angst vor einer Ansteckung gar nicht in Anspruch nehmen. Hausbesuche waren ohnehin nicht gestattet. „In dieser ersten Zeit haben wir sehr viel telefoniert.“ Dabei sei der Unterstützungsbedarf ganz unterschiedlich gewesen, so die Sozialpädagogin. Mit manchen Nutzern hätten die Mitarbeitenden täglich gesprochen, mit anderen nur alle paar Tage.

Unterstützungsbedarf sehr unterschiedlich

„In Absprache mit dem Kostenträger konnten wir unsere Betreuung sehr flexibel an die Bedarfe der jeweiligen Klienten anpassen. Das war sehr gut und wichtig.“ Denn einige Nutzer waren zu Beginn der Corona-Krise von einem Tag zum nächsten fast vollständig isoliert. Sämtliche Angebote zur Beschäftigung und Tagesstrukturierung waren ab dem 18. März 2020 per Weisung geschlossen worden. „In der Anfangszeit der Pandemie waren für manche Klienten die Gespräche mit mir die einzigen sozialen Kontakte, die sie überhaupt hatten“, so die Sozialpädagogin.

In den Telefonaten hätten sie und ihre Kollegen auch sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet. Sie informierten über die Infektionswege von SARS-CoV-2 und mögliche Schutzmaßnahmen. Das half Ängste abzubauen und allmählich fanden auch wieder mehr persönliche Begegnungen statt. „Das gute Wetter war auf unserer Seite. Wir haben sehr, sehr viele Sparziergänge unternommen. Oder wir haben uns zum Gespräch im Garten der Reha GmbH getroffen.“ Dabei konnten die Regeln zur Verhinderung von Infektionen einfacher eingehalten werden.

Pandemie noch nicht vorbei

In kleinen Schritten fanden sich sowohl die Mitarbeitenden als auch die Klientinnen und Klienten in eine neue Form des Miteinanders ein. „In der Anfangsphase waren wir  auch selbst unsicher. Die Pandemie hat ja alle vollkommen überrascht“, sagt Verena Strauß. „Und wir müssen uns ja trotz unseres Versorgungsauftrages auch selbst schützen.“ Umso wichtiger sei es nun, mit den Maßnahmen und Bemühungen nicht nachzulassen. „Jetzt nach den ersten Lockerungen müssen wir immer wieder an Mundschutz und Abstand erinnern.“

Auch Geschäftsführer Klaus Hahn betont, dass die Corona-Pandemie nicht vorbei sei. Mitarbeiterteam und Nutzer müssten wohl noch längere Zeit die Maßnahmen zur Verhinderung von Infektionen beachten. „Von einem Miteinander, wie wir es aus der Zeit vor der Corona-Pandemie kennen, sind wir noch weit entfernt.“ Die Qualität der Betreuung sieht er deshalb aber auch auf längere Sicht keineswegs in Gefahr. „Die letzten Monate haben deutlich gezeigt, dass wir auch mit einfacheren Mitteln füreinander da sein und unsere Klienten sehr gut unterstützen können.“

 

Nach der Corona-Krise stellen sich Bewohner und Mitarbeitende mit Mundschutz im Garten für ein Gruppenfoto auf. 17 Jun 2020

BY: Reha GmbH

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Viel Solidarität in Corona-Krise

Corona-Krise: Wohnstätten an der Bergstraße erlebten viel Solidarität

Es ist ein Worst-Case-Szenario für stationäre Einrichtungen: In zwei Wohnstätten der Reha GmbH waren Bewohner an Covid-19 erkrankt. Für alle Beteiligten ein Schock. Doch die Einrichtungen erlebten auch sehr viel Solidarität in der Corona-Krise.

Über vier Wochen lang hatte Covid-19 die beiden Wohnstätten an der Bergstraße in Atem gehalten. Ein Bewohner aus dem Altbau war nach einem Schlaganfall in einer Klinik behandelt worden und hatte sich dort unbemerkt mit der Corona-Erkrankung infiziert. Da seine Symptome erst eine gute Woche nach der Entlassung auftraten, konnte sich das Virus in den Einrichtungen an der Lengericher Bergstraße ausbreiten.

„Die schwerste Zeit in über 35 Jahren“

Acht weitere Bewohnerinnen und Bewohner erkrankten sowie später noch zwei Mitarbeitende. „Es war sicher die schwerste Zeit in unserem über 35-jährigen Bestehen“, sagt die Leiterin der „Wohnstätte Bergstraße Altbau“ Katharina Hegge. „Und ohne die wirklich großartige Unterstützung von Kollegen, Angehörigen und engagierten Bürgern hätten wir das nicht schaffen können. Wir haben sehr viel Solidarität erlebt.“ Mittlerweile kehrt in kleinen Schritten der Alltag in die Einrichtungen zurück. Und erstmals seit Wochen großer Anspannung ist ausreichend Zeit vorhanden, um einen Blick zurückzuwerfen und eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Trauer um verstorbenen Bewohner

Aufnahme von zwei Mitarbeiterinnen in komplettem Schutzanzug mit Mundschutz und Schutzbrillen.
Arbeiteten während der Corona-Krise unter sehr schweren Bedingungen: Mitarbeitende der Wohnstätte an der Bergstraße.

Als sich Jens Wolters* im April während seines Klinikaufenthaltes infizierte, standen in Deutschland noch nicht genügend Corona-Tests zur Verfügung. Es gab sie in der Regel nur für Menschen mit Symptomen, die in Risikogebieten oder mit Erkrankten zusammen gewesen waren. Da Jens Wolters beschwerdefrei war, wurde er vor der Entlassung nicht getestet, obwohl es in der Klinik Covid-19-Fälle gab. Als der 68-Jährige dann an einem Samstag Krankheitszeichen entwickelte, waren sie sofort sehr heftig. Bereits am Sonntag musste er ins Krankenhaus eingewiesen werden, wo er auch beatmet wurde. Nur drei Tage später verstarb er. „Die Trauer ist immer noch sehr groß“, sagt Katharina Hegge. „Wir sind hier wie eine große Familie. Das ist ein sehr großer Verlust für uns alle.“

Direkt nachdem Jens Wolters erkrankte, waren alle Bewohner und Mitarbeitenden getestet worden. Alle Ergebnisse waren negativ. Die Freude darüber währte jedoch nur kurz. Denn nur wenig später hatten sechs Frauen und Männer ebenfalls Symptome. Eine erneute Testung aller Bewohner und des Teams bestätigte den Verdacht. Später kamen noch zwei Bewohner aus der gegenüberliegenden Einrichtung dazu. „Wir haben die gesunden und kranken Bewohner sofort räumlich getrennt“, berichtet Katharina Hegge.

Im nächsten Schritt habe die Reha GmbH Zimmer in einem Gasthof angemietet. Hier lebten die Nicht-Erkrankten knapp vier Wochen lang gemeinsam mit Betreuern. „Im Altbau an der Bergstraße haben wir eine Corona-Quarantänestation für unsere Covid-19-Patienten eingerichtet. Dabei haben wir eng mit dem Krisenstab des Kreises Steinfurt zusammengearbeitet, der uns auch sehr gut unterstützt hat“, so die Sozialarbeiterin.

Beschaffung von Schutzausrüstung großes Problem

Die Versorgung der Corona-Patienten war für die Betreuerinnen und Betreuer ein emotionaler und physischer Kraftakt. „Drei der Patienten waren schwer erkrankt. Das war auch für uns sehr belastend“, berichtet Katharina Hegge. Aber auch alle anderen litten stark unter den Symptomen. Dazu kam die Angst, sich selbst zu infizieren. „Die war bei uns allen immer dabei. Obwohl wir mit Schutzanzug, Handschuhen, Mundschutz, Brille oder Visier gearbeitet haben.“ Die Beschaffung der vorgeschriebenen Schutzausrüstung war ein weiteres Problem. „Für uns als einzelne Einrichtung war es praktisch unmöglich, das  notwendige Material auf dem freien Markt zu erhalten“, berichtet Geschäftsführer Herbert Isken. „Hier hat uns der der Krisenstab des Kreises sehr gut unterstützt und immer wieder Schutzausrüstung beschafft.“

Eine große Hilfe sei vor allem der Hausarzt der Wohnstätten Dr. Lothar Eitemüller gewesen, betont Katharina Hegge. „Ohne ihn wäre es überhaupt nicht gegangen. Er war sogar während seines Urlaubs für unsere Erkrankten da. Zudem hat er sehr früh das hohe Risiko der invasiven künstlichen Beatmung gerade für unsere älteren Patienten erkannt.“ Dank seiner Unterstützung hätten zwei besonders schwer Erkrankte minimal invasiv in der Bergstraße beatmet werden können. Die ganze Zeit über habe er die Pflege durch das Betreuerteam fachlich unterstützt.

„Einsatz und Arbeit des Teams sind bewundernswert.“

„Unsere Wohnstätten für Menschen mit Einschränkungen sind ja keine Pflegeeinrichtungen, sondern bieten Leistungen zur Eingliederungshilfe“, sagt Herbert Isken. Dementsprechend seien auch die Qualifikationen des Personals. „Umso bewundernswerter ist, welche tolle Arbeit das gesamte Team geleistet hat. Alle sind über sich hinausgewachsen und haben sich intensiv in ihre Aufgaben eingearbeitet“, betont der Geschäftsführer. „Der Einsatz, den die Kollegen hier zeigten, ist sicher nicht selbstverständlich.“

Vier Wochen lang haben die Mitarbeitenden in Wechselschicht rund um die Uhr gearbeitet. Um genügend Personal zu haben, sprangen Kollegen aus der Tagesstätte „Die Villa“ sowie den Ledder Werkstätten mit ein. Einige halfen bei der Pflege der Erkrankten, andere betreuten die gesunden Bewohnerinnen und Bewohner im Gasthaus. „Die Solidarität unter den Kollegen war sehr hoch“, so Herbert Isken. „Es sind einige Kollegen aus anderen Hilfebausteinen der Reha GmbH zu mir gekommen und haben von sich aus ihre Hilfe angeboten.“

Mitarbeitende der Tagesstätte „Die Villa“ kochten mehrmals pro Woche Essen für die Patienten und ihre Betreuer. Auch das Team der Kontakt- und Beratungsstelle „Café Regenbogen“ bereitete Mahlzeiten zu und backte Kuchen. Angehörige und gesetzliche Betreuer brachten mit kleinen Geschenken ihre Wertschätzung für den hohen Einsatz des Teams zum Ausdruck. Eine ganz besondere Unterstützung erfuhren Bewohner und Team von ganz unerwarteter Seite: „Der Lengericher Bayern-München-Fanclub Rot-Weiß-Augustiner 49 hat uns drei Wochen lang jeden Morgen belegte Brötchen vorbeigebracht.“ Ein Mitarbeiter der Reha GmbH hatte Vereinsmitgliedern von den Covid-19-Erkrankungen in der Wohnstätte berichtet. Spontan entschied sich der Fanclub zur Hilfe. „Die viele Solidarität hat uns wirklich den Rücken gestärkt“, sagt Katharina Hegge.

* Der Name des Bewohners wurde geändert.

Aufnahme der Hausleiterin in weißem Schutzanzug, mit weißem Mundschutz und Visier sowie Gummihandschuhen.
Den COVID-19-Ausbruch erlebte Hausleiterin Katharina Hegge als schwerste Zeit im über 35-jährigen Bestehen der Einrichtung für Menschen mit Einschränkungen.