14 Dez 2019

BY: Reha GmbH

Aktuelles

Heilig Abend im Regenbogen

Gemeinsame Feier für alle Interessierten

Alle Jahre wieder lädt die Reha GmbH Menschen mit psychischen Erkrankungen an Heiligabend zu einem gemeinsamen Weihnachtsfest ein. Auch an diesem 24. Dezember öffnet die Kontakt- und Beratungsstelle Café Regenbogen wieder ihre Türen. Rund 30 bis 50 Gäste feiern seit fast 30 Jahren an Heilig Abend im Regenbogen zusammen. „Viele Menschen mit psychischen Erkrankungen haben ihren familiären Hintergrund verloren“, berichtet Jörg Achterberg, Leiter der Kontakt- und Beratungsstelle. „Für sie ist die Feier bei uns oft die einzige festliche Zusammenkunft an den Feiertagen.“ Die Gäste singen gemeinsam, es werden Gedichte und Geschichten vorgetragen. „Und wir führen viele Gespräche“, sagt Jörg Achterberg. Dabei sitzen alle Gäste gemeinsam an einer großen, weihnachtlich geschmückten Tafel beisammen.

Heilig Abend im Regenbogen: Ganz besondere Stimmung

„Die Stimmung ist am Heiligen Abend immer ganz besonders“, findet Heike Förster, die als Hauswirtschafterin im Café Regenbogen arbeitet. Sie freut sich schon auf die Feier: „Es ist sehr festlich und gemütlich, alle geben sich sehr viele Mühe miteinander.“ Auch an diesem 24. Dezember sind alle Interessierten zur Weihnachtsfeier im Café Regenbogen an der Bahnhofstraße 34 von 14:30 bis ca. 17:30 Uhr willkommen. Eine Anmeldung ist für die bessere Planung erwünscht, aber nicht erforderlich. Also können auch Kurzentschlossene noch spontan dazukommen. Für Essen und Getränke wird ein Beitrag von vier Euro erhoben. Außerdem ist das Café Regenbogen auch am 2. Weihnachtstag sowie dem 31. Dezember von 15.00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Zwischen den Feiertagen ist in der Kontakt- und Beratungsstelle ganz normaler Betrieb.

Haben fast vier Jahrzehnte Psychiatriegeschichte miterlebt: Bewohner und Mitarbeitende haben sich zu einem Gruppenfoto vor einem Oltimerbus aufgestellt. 09 Dez 2019

BY: Reha GmbH

Aktuelles

Psychiatriegeschichte hautnah miterlebt

„Die Würde jedes Menschen achten“

36 Jahre lang hat Ute Dölling-Ruhe in der Wohnstätte Bergstraße Neubau für Menschen mit psychischen Behinderungen gearbeitet. In dieser Zeit prägte die Sozialarbeiterin nicht nur die Wohngruppe. Sie erlebte auch knapp vier Jahrzehnte Psychiatriegeschichte hautnah mit. Jetzt wurde die frühere Hausleiterin bei der jährlichen Weihnachtsfeier gemeinsam mit der Hauswirtschafterin Monika Ringeltaube in den Ruhestand verabschiedet.

Ein familiäres Zuhause

Der Geschäftsführer der Reha GmbH steht in er Mitte von zwei Mitarbeiterinnen, die jeweils ein Abschiedsgeschenk in die Händen halten.
Präsente zum Abschied gab es für Ute Dölling-Ruhe (lks.) und Monika Ringeltaube (re.) von Geschäftsführer Herbert Isken

Es ist ein würdiger Rahmen für einen Abschied: Die 13 Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnstätte, ihre Angehörigen sowie Mitarbeitende der Reha GmbH haben sich im Hof-Café Kötters Kotten versammelt. Insgesamt sind es über 50 Personen. Es gibt Gesang und Gedichtvorträge, Präsente und einige Abschiedstränen. „Ohne euer Engagement wäre die Wohnstätte an der Bergstraße heute nicht das, was sie ist“, betont Geschäftsführer Herbert Isken in seiner kurzen Laudatio. „Sie ist ein familiäres Zuhause für Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen. Hier leben sie nicht nur mitten in der Gesellschaft, sondern werden auch gestärkt und gefördert.“

Psychiatrie-Enquete gegen „Verwahrpsychiatrie“

Bis in die 1980er Jahre sah die Versorgung noch ganz anders aus. „Menschen mit seelischen Behinderungen wurden in den psychiatrischen Kliniken häufig dauerhaft untergebracht“, erzählt Ute Döllig-Ruhe. Eine soziale Rehabilitation habe praktisch nicht stattgefunden. „Die Patienten hatten kaum Privatsphäre und konnten nicht selbständig entscheiden. Sogar ihre Kleidung wurde ihnen morgens aus einem verschlossenen Schrank gegeben.“ Zudem sei nicht selten mit starken Medikamenten und Bestrafungen gearbeitet worden. Die von der damaligen Bundesregierung in Auftrag gegebene Psychiatrie-Enquete forderte deshalb eine Neuordnung der „Verwahrpsychiatrie“. Das wirkte sich auch in Lengerich aus: Das damalige Landeskrankenhaus löste schrittweise die Stationen auf. Eine der ersten betreuten Wohngruppen zog in die Villa an der Bergstraße ein.

Pädagogisches Konzept verbessert seelische Gesundheit

Die Anfangszeit war schwierig, wie sich Ute Dölling-Ruhe und die Hauswirtschafterin Monika Ringeltaube erinnern. Zu lange waren die Patienten aus einem normalen Lebensalltag herausgerissen worden. Sie mussten Selbständigkeit und ein gutes soziales Miteinander wieder neu lernen. Mit ihren heilpädagogischen und sozialpsychiatrischen Konzepten setzten die Mitarbeitenden damals wie heute auf Respekt und Wertschätzung. „Wir müssen die Persönlichkeit und Würde jedes Menschen beachten“, betont Ute Dölling-Ruhe. „Ob er eine Behinderung hat oder nicht, spielt dabei überhaupt keine Rolle.“ Das pädagogische Konzept hat nicht nur die Lebensbedingungen der Bewohnerinnen und Bewohner grundlegend verbessert, sie profitieren auch gesundheitlich. „In den ersten Jahren mussten unsere Bewohner wegen seelischer Krisen noch häufiger stationär aufgenommen werden“, berichtet Ute Dölling-Ruhe. „Das kommt heute so gut wie gar nicht mehr vor.“

Fit machen für ein Leben in der Gesellschaft

Die Anforderungen an die Arbeit der Wohnstätten habe sich grundlegend gewandelt, berichtet auch Herbert Isken. Der Sozialpädagoge und Rehabilitationsexperte ist seit 30 Jahren bei der Reha GmbH. Insgesamt leben über 30 Frauen und Männern mit unterschiedlich ausgeprägten Beeinträchtigungen in drei verschiedenen Häusern.  „Ging es anfangs noch um eine angemessene Unterbringung, steht heute klar der rehabilitierende Aspekt im Mittelpunkt.“ Die vor zehn Jahren in Kraft getretene Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen habe das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen zusätzlich gestärkt. „Unsere Aufgabe ist es heute, die Menschen fit zu machen für ein möglichst normales und selbständiges Leben innerhalb der Gesellschaft.“

Für Ute Dölling-Ruhe waren ihre 36 Arbeitsjahre trotz aller Herausforderungen und Veränderungen eine wunderbare Zeit, wie sie sagt. „Die Menschen sind wie meine zweite Familie.“ Umso besser, dass sie ihre Nachfolge gut geregelt weiß. Katharina Hegge, selbst schon über 25 Jahre in der Wohnstätte an der Bergstraße, leitet das Haus weiter. Sie organisierte auch die Weihnachtsfeier samt Abschied mit einigen Überraschungen.

Ein großer roter Oldtimer-Bus steht in einer Siedlung.
Große Überraschung für Ute Dölling-Ruhe und Monika Ringeltaube. Mit einem Oldtimer-Bus ging es zum Hofcafé.
Blick in einen großen Caféraum, in dem viele Menschen an Kaffeetischen sitzen und zu einem Weihnachtsmann blicken, der den Tischen steht.
Bei der jährlichen Weihnachtsfeier darf natürlich auch der Nikolaus nicht fehlen.

 

 

Eine junge singt lächelnd in ein Mikrofon.
Sorgte mit einem Liedvortrag für einen stimmungsvollen Auftakt der Weihnachtsfeier: Amisha Dyal, die Tochter einer Mitarbeiterin.
Eine junge Frau steht neben dem Nikolaus und singt ein Lied.
Viele weitere Lied- und Gedichtvorträge der Bewohnerinnen und Bewohner folgten.
Blick über einen Stand beim Inklusionstag, an dem sich Besucher sowie Mitarbeitende und Klientinnen und Klienten der Reha GmbH informieren. 06 Dez 2019

BY: Reha GmbH

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Reha GmbH beim Inklusionstag

Inklusionstag für Arbeitgeber und Menschen mit Handicap

„Einstellung zählt – Arbeitgeber gewinnen“. Unter diesem Motto hatte die Agentur für Arbeit am 5. Dezember zum Inklusionstag in Rheine geladen. Die Angebote richteten sich sowohl an Arbeitgeber als auch an Menschen mit Handicap. Die Reha GmbH war gleich mit drei verschiedenen Angebotsbausteinen dabei.

Eine Mitarbeiterin der Psycho-Edukations-Gruppe sowie eine Klientin stehen an einem Stand und informieren sich.Eine sinnstiftende Beschäftigung ist wichtig für die seelische Gesundheit. Das gilt ganz besonders für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Doch gerade für sie ist die Teilhabe am Berufsleben schwierig. Die vielen Aspekten der beruflichen Rehabilitation sind deshalb ein Arbeitsschwerpunkt der Reha GmbH. Am Gemeinsamen Inklusionstag der Agentur für Arbeit in Rheine nahmen Mitarbeitende und Klienten vom Ambulant Betreuten Wohnen und der Tagesstätte „Die Villa“ teil sowie die ergotherapeutische Praxis.

Hilfe zur Selbsthilfe

Von der Villa waren knapp zehn Klientinnen und Klienten mit nach Rheine gefahren. Aus der Psycho-Edukations-Gruppe von Ute Casser und Susan Thyssen waren sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei. „Sie alle konnten sich einen guten Überblick verschaffen über ihre Möglichkeiten auf dem ersten und zweiten Arbeitsmarkt“, berichtet Ute Casser. Die Angebote im Kreis Steinfurt seien sehr gut, doch selbst für Experten auch unübersichtlich. „In Rheine waren neben Inklusionsunternehmen auch die verschiedenen Ämter und Fachdienste mit eigenen Informationsständen vertreten. So hatten unsere Klientinnen und Klienten die Möglichkeit, ihre Ansprechpartner in Lengerich und Ibbenbüren gleich persönlich kennenlernen.“ Der direkte Kontakt helfe, Hemmschwellen abzubauen, betont die Sozialpädagogin. „Bereits der gemeinsame Besuch des Inklusionstages ist Hilfe zur Selbsthilfe.“

Reha-Angebot der Ergotherapie

Blick auf den Stand der ergotherapeutischen Praxis beim Inklusionstag, an dem drei Frauen stehen und sich unterhaltend über Informationsmaterialien beugen.Auch Milena Onken von der Ergotherapeutischen Praxis der Reha GmbH war mit einem eigenen Stand auf dem Inklusionstag vertreten. Die Angebote der Praxis zur beruflichen Rehabilitation reichen von der Arbeitsdiagnostik nach MELBA bis zur ZERA-Gruppe. MELBA steht für „Merkmalprofile zur Eingliederung Leistungsgewandelter und Behinderter in Arbeit“. Grundlage dieser Profile sind standardisierte Testaufgaben, freie Beobachtungen aus verschiedenen Arbeitssituationen sowie Gespräche und Aussagen Dritter. Fallen einzelne Fähigkeiten im Profil schwächer aus, können sie in Arbeitstrainings für Einzelpersonen oder Kleingruppen gezielt gestärkt werden.

„Berufliche Integration bleibt Herausforderung“

ZERA beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Erkrankung, Rehabilitation und Arbeit. Es ist ein strukturiertes Gruppenprogramm, das unter anderem die Selbsthilfe-Potenziale der Klientinnen und Klienten aktiviert. In diesem Sommer hatte die Ergotherapie der Reha GmbH ihr erstes ambulantes ZERA-Programm abgeschlossen. Wegen des guten Erfolges sind weitere Gruppen geplant.

Sowohl Milena Onken als auch Ute Casser lobten die guten Möglichkeiten zum Austausch mit Rehabilitationsexperten beim Inklusionstag. Doch beide hätten sich ein größeres Interesse von den Arbeitgebern gewünscht: „Die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen bleibt weiter eine große Herausforderung.“

Gruppenaufnahme von Klientinnen und Klienten sowie Mitarbeitenden der Tagesstätte die Villa beim Inklusionstag in Rheine.